Die Werbeagentur Serviceplan München und die Siebdruckerei Mory & Meier in München-Garching räumen mit ihrer innovativen Idee bei den Filmfestspielen in Cannes ab. Der Goldene Löwe geht damit 2012 nach München…

Passend dazu der Bericht aus dem Schweizer Verbandsmagazin “Viscom”:

Ein leuchtendes Beispiel sozusagen

Es ist eine dieser Ideen, die einem vor Augen führen, wie kreativ unsere Branche ist und wie die Kreativität auf die Spitze getrieben werden kann: Der österreichische Solarthermie-Verband Austria Solar hat zusammen mit der Agentur Serviceplan einen Jahresbericht realisiert, dessen Inhalt nur bei Sonnenlicht sichtbar ist. Bei normaler Zimmerbeleuchtung sieht der Betrachter nur leere Seiten. Dieses spannende Projekt zeigt, ähnlich wie Solaranlagen, dass Sonnenlicht in andere Energie umgewandelt werden kann, und schliesst damit den Kreis zu Austria Solar. Der Jahresbericht räumt denn auch einen Preis nach dem anderen ab, ist beispielsweise bei den Filmfestspielen in Cannes in der Kategorie “Product & Service Corporate Image & Information” mit einem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden.

Beeindruckend ist aber nicht nur der Jahresbericht an sich. Er ist auch ein schönes Beispiel dafür, was auf der kreativen wie technischen Ebene möglich ist, wenn das Dreigespann Endkunde-Agentur-Druckerei perfekt zusammenspielt. Die Initiative für die Umsetzung kam in diesem Falle von der Agentur Serviceplan in München. Die dortigen Verantwortlichen wussten, dass – hauptsächlich im Sicherheitsdruck – auch thermo- und fotochromatische Farben eingesetzt werden. Mit dieser Grundidee gelangten sie an die Druckerei Mory & Meier in München. Für den Geschäftsinhaber und leidenschaftlichen Siebdrucker Stefan Meier war der Druckauftrag “ein Sahnehäubchen” in Sachen Drucktechnik. In einer Auflage von 150 Exemplaren, Umfang 64 Seiten, 3/3-farbig, verdruckte er im Siebdruckverfahren lösemittelbasierte fotochromatische Farben (die er übrigens von der Schweizer Printcolor bezog), Kostenpunkt rund 600 Franken pro Kilogramm. Der Druck war äusserst anspruchsvoll, sollte doch am Ende ohne Sonnenlicht nur weisses Papier zu sehen sein. Nach tagelangen Tests – Ziel war es, die Drucksujets nicht einmal ansatzweise auf dem Papier zu sehen, solange es nicht dem Sonnenlicht ausgesetzt war – entschied sich Mory & Meier für Tatami Ivory, ein Bilderdruckpapier von Fedrigoni. Für den Druck (im November) mussten die Drucker nach draussen ans Tageslicht, um die Farben überhaupt einpassen zu können. Die kleinen UV-Schwarzlichtlampen waren im Drucksaal zu wenig stark.

Und die Moral der Geschicht: Wenn ein Kunde den Mut aufbringt, ein solches Projekt zu realisieren, mit einer Agentur zusammenarbeitet, die diesen mit einer genial einfachen Idee begeistern kann, und einen Drucker findet, der mit viel Herzblut und Engagement die Idee im Drucksaal realisiert, ist das alleine schon eine Auszeichnung wert.

Daniel Bischof, viscom print & communication, 15. Jahrgang, Nr. 13, 3. Juli 2012

Link auch auf: www.printcolor.ch